简体中文
繁體中文
English
Pусский
日本語
ภาษาไทย
Tiếng Việt
Bahasa Indonesia
Español
हिन्दी
Filippiiniläinen
Français
Deutsch
Português
Türkçe
한국어
العربية
اردو
Geheimplan für Beförderungen im Verteidigungsministerium: Will Lambrecht ihre SPD-Beamten schneller auf gut dotierte Posten hieven?
Zusammenfassung:Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bei einem Truppenbesuch.picture alliance/dpa | Moh
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bei einem Truppenbesuch.
picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam
Ärger für Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD): Nach Informationen von Business Insider sollen Beförderungen für Beamte, die neu in ihr Haus gewechselt sind, schneller möglich sein als bei anderen Beamten.
Hinter den Kulissen sorgt das für Unmut, weil vor allem mehrere SPD-Beamte – und damit Parteikollegen der Ministerin – Nutznießer sein dürften, die jetzt im Umfeld von Lambrecht und ihrer Staatssekretärin arbeiten.
Auf Anfrage bestätigt eine Sprecherin entsprechende Überlegungen und führt als Begründung an, dass dies nur dazu diene, um den öffentlichen Dienst für Seiteneinsteiger attraktiver zu machen.
Dass bei einem Regierungswechsel ein neuer Minister oder eine neue Ministerin Stellen in der Leitung des Hauses mit Vertrauten besetzt, gehört zur üblichen Praxis. So etwa nahm auch Christine Lambrecht (SPD) nicht nur ihre Staatssekretärin Margarete Sudhof vom Justizministerium ins Verteidigungsministerium mit. Auch weitere Führungskräfte hat Lambrecht aus dem Justizministerium ins Verteidigungsministerium geholt.
Doch das, was derzeit offenbar im Verteidigungsministerium geplant ist, geht in den Augen vieler Beamter über die normale Praxis weit hinaus. Nach Informationen von Business Insider plant Lambrecht per Weisung eine Ausnahmeregelung bei Beförderungen für Beamte, die neu ins Haus gekommen sind. Praktisch können diese dann schneller befördert werden als andere. Da davon aber insbesondere die SPD-Beamten aus ihrem Umfeld profitieren würden, die mit ihr neu ins Ministerium gekommen sind, ist hinter den Kulissen der Unmut an vielen anderen Stellen groß.
Lest auch
„Der Krieg ist noch lange nicht vorbei: Wie die Nato in einem Geheimpapier den russischen Rückzug in der Ukraine bewertet
Unmut groß über Ausnahme-Regelung bei „Stehzeiten
Denn je nach Laufbahn ist es bislang eigentlich vorgeschrieben, dass Mitarbeiter erst nach mehreren Jahren „Stehzeit auf einem Dienstposten in die nächst höhere Besoldungsgruppe befördert werden können – sofern freilich auch die Beurteilung der Arbeitsleistung entsprechend einwandfrei ist. Insbesondere im Verteidigungsministerium sind die Regelungen hierzu strenger als in anderen Häusern.
Genau an diese Vorgaben zur „Stehzeit“ wollen Lambrecht und ihre Staatssekretärin nun offenbar ran. Wörtlich heißt es dazu in einem internen Papier zum Personalentwicklungskonzept: „Um der besonderen Situation des Wechsels des Geschäftsbereichs oder des Ressorts bei bereits beamtetem Personal Rechnung zu tragen, finden unter den Gesichtspunkten der Attraktivität und des Vertrauensschutzes die Regelungen zum Verwendungsaufbau in Abschnitt 3.1 dieser Vorschrift für diesen Personenkreis für einen Zeitraum von vier Jahren ab Übernahme in Bezug auf die Förderung in das nächsthöhere Amt keine Anwendung.” Im Klartext: Vorgaben, wie lange man warten muss, sollen für Seiteneinsteiger nicht gelten.
Lest auch
Drei Jahre Warten auf neue Haubitzen: Der Generalinspekteur erklärt, warum Deutschland nicht mehr schwere Waffen in die Ukraine liefert
Nutznießer davon könnte beispielsweise der Büroleiter von Margarete Sudhof sein. Der erst 37-jährige Julian Zado ist gelernter Jurist mit einem zweiten Studienabschluss in Politikwissenschaften und war bis Juni stellvertretender SPD-Chef in Berlin. Kurz vor seiner Amtsaufgabe hatte Business Insider enthüllt, dass er nach einem ungewöhnlich schnellen Karriereweg unter Sudhof im Justizministerium nun im Verteidigungsressort als Büroleiter auf eine B6-Stelle (Grundgehalt pro Monat: 10.600 Euro) befördert werden sollte, was Lambrecht angeblich gestoppt haben soll. Laut mehrerer Insider soll nun aber mithilfe der Ausnahme im Personalentwicklungskonzept ein neuer Anlauf für eine Beförderung unternommen werden.
Ebenfalls profitieren könnten laut Insidern weitere Mitarbeiter im direkten Umfeld von Lambrecht, die sie aus ihrem früheren Ministerium mitgenommen hat. So wurde bereits der persönliche Referent zum Referatsleiter befördert, dem jetzt die Vorzimmerdamen im Ministerinnen-Büro unterstehen. Doch dabei soll es absehbar nicht bleiben, heißt es. Unter dem Strich würde auf diese Weise die Zahl der freien Dienstposten an der Spitze des Hauses immer kleiner für andere Beamte, sagen Kritiker. Dabei warteten einige von ihnen schon seit Jahren auf Beförderungen, würden aber immer wieder mit Referatsleiter-Posten abgespeist, berichten uns Insider. Zugleich würden in manchen Abteilungen zivile Dienstposten in militärische umgewandelt, was das Problem noch verschärfe.
Lest auch
Putin will nicht nur in der Ukraine Einfluss ausbauen: Nato äußert Sorge vor neuem Kalten Krieg mit Russland auf dem Balkan – laut einem Geheim-Papier
Lambrechts Sprecherin bestätigt die Überlegungen
Business Insider hat das Ministerium am Donnerstag morgen zu der Ausnahmeregelung für neue Beamte angefragt. Eine Sprecherin bestätigt, dass das Ministerium derzeit die Möglichkeit prüfe, „den Seiteneinstieg, also die Personalbedarfsdeckung außerhalb der bundeswehreigenen Laufbahnausbildung, zu fördern“. Und weiter: „Im Fokus stehen hierbei Seiteneinsteigende, die aus anderen Ressorts oder auch von außerhalb des öffentlichen Dienstes in den Geschäftsbereich der Bundeswehr wechseln und ihre bisherige Karriereplanung nicht an den Voraussetzungen des Personalentwicklungskonzepts der Bundeswehr ausrichten konnten. In einer Wechselbetrachtung mit dem bereits in der Bundeswehr tätigen Personal wird derzeit geprüft, wie diesen der Einstieg in die Bundeswehr erleichtert werden kann.” Die Sprecherin betont, dass die Prüfungen noch nicht abgeschlossen seien. Tatsächlich müsste unter anderem der Hauptpersonalrat zustimmen.
So oder so dürften die umstrittenen Überlegungen Gesprächsthema auf den Fluren der heute beginnenden Bundeswehr-Tagung sein. Neben Lambrecht nehmen auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und das gesamte weitere Spitzenpersonal der Bundeswehr an der Konferenz teil. Das Motto: „Die Bundeswehr in der Zeitenwende – eine kritische Bestandsaufnahme in Zeiten des Krieges in Europa.
Lest auch
Inside-Report: Warum für Pannen-Ministerin Christine Lambrecht ihr Kommunikationschef immer mehr zur Belastung wird
Haftungsausschluss:
Die Ansichten in diesem Artikel stellen nur die persönlichen Ansichten des Autors dar und stellen keine Anlageberatung der Plattform dar. Diese Plattform übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Artikelinformationen und haftet auch nicht für Verluste, die durch die Nutzung oder das Vertrauen der Artikelinformationen verursacht werden.
